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Von Frieda Heumann und Mark Richter

Wie sich der Reformismus in die »spannenden Jobs« vieler Linker schleicht.

Wo stehst du, wenn es knallt? Die Antwort liegt in der eigenen kämpferischen Praxis. Denn ob Linke Katalysator für die Revolte sind oder nur die zukünftige Innovationselite für das Kapital, ist keine Frage der Theorie. Das klingt zwar hart, verdeutlicht aber auch die Lücke zwischen dem Anspruch der radikalen Linken und der realen Teilnahme an stattfindenden Kämpfen. Entgegen der Behauptung vieler Linker gibt es die befriedeten Arbeitsplätze gar nicht, an denen Kolleg*innen nicht tagtäglich von ihren Chef*innen drangsaliert werden. Selbst die Jobs, in denen die gut ausgebildete Mittelschicht arbeitet, sind von Konflikten geprägt. Diese werden jedoch oft als individuelles Fehlverhalten verhandelt. Dieser Umstand taucht in der Debatte zu selten auf. Er offenbart sich nämlich erst, wenn man mittendrin steckt oder sich aufmerksam mit Kolleg*innen unterhält. Daher unsere Devise: Organize!

Als radikale Linke geht es darum, den langfristigen Traum von Verhältnissen ohne Herrschaft zu verwirklichen - ohne Lohnsystem, Patriarchat und Rassismus, um nur einige Formen zu nennen. Eine der Stufen dorthin, auf der wir uns in der BRD jedoch kaum befinden, ist die der Revolte. Ohne Revolte keine Revolution. Damit kleine Kämpfe aber überhaupt zu Revolten werden - das zeigt die Geschichte - bedarf es zumindest einiger »Umgrabearbeiten«, damit sich diese ausbreiten bzw. verallgemeinern können.

Wo stehst du im Konfliktfall?

Wenn also in der Debatte viele Autor*innen darüber schreiben, wie viel politische (Selbst-)Verwirklichung nun in der eigenen Lohnarbeit steckt bzw. stecken kann, wird sich das Terrain über eine relativ privilegierte Position im (Produktions-)Prozess erschlossen. Die Frage aber ist vielmehr: Nützt mein Job bzw. mein Verhältnis in diesem Job einer potenziellen Revolte oder nicht? Dies ist eine Frage der Praxis und erst an zweiter Stelle eine der theoretischen Verortung. Ein Beispiel: Wenn ich als radikale_r Linke_r in einer Position als Teamleitung bei einem sozialen Träger arbeite und einige Kolleg*innen unter mir gegen mich aufbegehren, da ich die Sachzwänge der Geschäftsleitung durchsetzen muss, bin ich ziemlich schnell an einem Punkt, an dem mir keine Theorie hilft. Ich muss mich in diesem Konflikt positionieren. Mich für die Seite der Kolleg*innen zu entscheiden, führt in der Regel dazu, dass ich meine bisherige Stellung verliere. Das heißt: als Genoss*in kann ich vom einen auf den anderen Moment in der konkreten Auseinandersetzung zur Gegner*in im Kampf werden.

Weiterlesen: Debattenbeitrag von IWW Organizer*innen in der »Analyse & Kritik« zum Verhältnis von linkem...

Am Montag, den 9. März hat die IWW-Montreal zusammen mit anderen das Gebäude des Ministeriums für Familie und Senioren besetzt. Diese Aktion fand statt im Rahmen der Mobilisation gegen Sparmaßnahmen und der Kampagne für einen allgemeinen gesellschaftlichen Streik am 1. Mai 2015. Die IWW-Montreal hat dazu folgendes Statement veröffentlicht:

"Gegenwärtig haben viele Arbeiter*innen mit den Auswirkungen von Budgetkürzungen im Gesundheitswesen, im Bereich der städtischen Angestellten, bei Feuerwehrmännern und –frauen, bei Postangestellten, bei Student*innen und in der Privatwirtschaft zu kämpfen. Gleichzeitig regt sich bereits überall Widerstand. Wir lassen nicht zu, dass wechselnde Regierungen (egal, ob sie sich „konservativ“ oder „links“ nennen) uns in Gemeinschaft mit den Bossen ihre antisozialen Maßnahmen aufdrücken. Die Zeit, in der sich eine Minderheit auf Kosten einer zunehmend verarmenden Mehrheit bereichert geht zu Ende.

Weiterlesen: IWW-Montreal besetzt das Gebäude des Ministeriums für Familie und Senioren